ASV Oberpreuschwitz erhält Inklusionspreis

Behindert? Na und!

Inklusion war das Wort des Abends: Der Sozialdienst Bayreuth feierte sein 25-jähriges Bestehen. Und dass hier dieses Wort nicht nur gepredigt, sondern auch gelebt wird, konnte man bei diesem Festakt deutlich spüren. Hörende und Gehörlose feierten gemeinsam.

Die selbstverständliche Teilhabe von Menschen mit Behinderung an allen gesellschaftlichen Bereichen wird als Inklusion bezeichnet. Der Sozialdienst für Hörgeschädigte bemüht sich nun seit 25 Jahren, diesen Prozess immer weiter voranzutreiben. Bei der Festveranstaltung im Evangelischen Gemeindehaus wurde deutlich, dass der Sozialdienst in der Zeit schon viel erreicht hat. Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Sozialverbänden lobten in ihren Grußworten die Arbeit und das Engagement der Mitarbeiter und der freiwilligen Helfer .

Seit der Sozialdienst vor 1987 mit der Arbeit begann, hat Irene von der Weth die Leitung inne. An die Anfänge erinnert sie sich noch genau: „Es war eine tolle Aufgabe und wir hatten große Möglichkeiten und Chancen, denn es gab damals noch keine Gehörlosenarbeit in Oberfranken.“ Eines der größten Probleme war die Verständigung. „Ich habe zuerst die Sprache kennengelernt und dann die Bedürfnisse“, sagt von der Weth. Möglichkeiten, die Gebärdensprache zu lernen, gab es damals kaum, deshalb begann der Sozialdienst, Kurse an der Volkshochschule zu organisieren .

Dass die Gebärdensprache vor etwa zehn Jahren als offizielle Sprache anerkannt wurde, sieht von der Weth als einen der größten Erfolge in der Gehörlosenarbeit. „Man hat sich dafür deutschlandweit eingesetzt, auch wir in Oberfranken waren sehr aktiv.“ Seither haben Hörgeschädigte unter anderem das Recht, bei Behörden oder in medizinischen Einrichtungen einen Dolmetscher an die Seite gestellt zu bekommen. Das bedeutet für sie ein Stück mehr Unabhängigkeit. Doch Behinderten die Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen, sei nicht nur Aufgabe von sozialen Einrichtungen, hier könne jeder etwas tun. Deshalb wurden bei der Feier auch Menschen, Organisationen, Wirtschaftsbetriebe und Behörden mit einem Inklusions-Preis ausgezeichnet. Sie haben durch ihre Tätigkeit in besonderer Weise zur Verwirklichung dieses Gedanken beigetragen. Einer der Inklusionspreise ging an das Polizeipräsidium Oberfranken. Hier wurde seit dem Jahr 2000 die Einstellung vom Menschen mit Behinderung besonders ins Auge gefasst, mit dem Ergebnis, dass heute über 200 bei der Behörde einen Arbeitsplatz haben.

Unter den Preisträgern war auch der ASV Oberpreuschwitz. Die Mädchenfußballmannschaft hat eine gehörlose Spielerin in ihren Reihen. Um dies zu ermöglichen, haben die Spielerinnen und der Trainer Grundgebärden gelernt.

Um in der Mitte der Gesellschaft anzukommen, können aber auch Behinderte selbst einen Beitrag leisten und ihre Welt den Menschen ohne Beeinträchtigung näherbringen. Thomas Kufner und seine Familie engagieren sich dafür schon lange. Sie als Gehörlose lernen nicht nur Hörenden die Gebärdensprache, sondern haben auch einen Behindertenführer für Bayreuth erstellt. Auch sie waren unter den Preisträgern.

Die gesamte Festveranstaltung erfolgte zweisprachig. Eine Dolmetscherin übersetzte die Ansprachen in Gebärdensprache und die Lieder des Gehörlosenchors wurden zuvor vorgelesen. Und zum Schluss feierten und tanzten alle gemeinsam: Blinde, Gehörlose, geistig Behinderte – und Menschen ohne Behinderung .


Nordbayerischer Kurier vom Dienstag, 3. April 2012, Seite 15

Soziale Integration von Mädchen durch Fußball

Drei Fußballmädchen des ASV Oberpreuschwitz haben sich zur Fußballmentorin ausbilden lassen. Jennifer und Susanna Böhmer (Bild links) möchten das Erlernte in Mädchen-Fußball AG´s an Grundschulen weiter vermitteln.

14 Mädchen wurden an drei Tagen in der Sporthalle der St. Georgen Schule in Bayreuth zur Fußballmentorin ausgebildet - alle im Alter zwischen 14 und 18 Jahren und aus unterschiedlichen Schulen. Manche spielen bereits seit Jahren im Fußballverein, andere hatten bislang kaum die Gelegenheit zum Fußballspielen mit gleichaltrigen Mädchen.

So bestand die erste Aufgabe für die beiden Leiter der Ausbildung - Bastian Kuhlmann und Janina Langenbach von der Universität Oldenburg - darin, aus den 14 Mädchen ein vertrauensvolles Team zu bilden. In den folgenden Tagen zeigten die beiden ihnen, worauf es beim Fußballtraining mit Kindern ankommt und wie selbst große Schulklassen in einer kleinen Halle mit viel Spaß Fußball spielen können.

"Es ist immer wieder erstaunlich, wie die Mädchen sich im Laufe der Ausbildung entwickeln. Vielen traut man das anfangs gar nicht zu, aber wie sie dann auf die Kinder zugehen, die Stationen und Spiele anleiten, absolut super. Es ist phantastisch zu sehen, wie die Kinder auf die jungen Trainerinnen reagieren und so viel Freude am Fußballspielen haben", so Leiterin Janina.

Das Besondere an der Ausbildung: Schon nachdem sie erste Grundlagen erlernt haben, übernehmen die Fußballmentorinnen den Sportunterricht der Grundschulklassen und müssen sich somit gleich vor den Kindern beweisen. Nathalie, eine neue Fußballmentorin: "Ich war am Anfang total unsicher, denen was zu sagen. Ich bin das nicht gewohnt, Kindern zu sagen, was sie machen sollen. Aber dann haben sie mir zugehört und gemacht, was ich sagte und haben gewonnen. Das war echt toll."

Leiter Bastian Kuhlmann war hochzufrieden mit der Ausbildung: "Die Fußballmentorinnen sind nach diesen drei Tagen in der Lage, die Trainerinnen der bestehenden Mädchen-Fußball-AGs zu unterstützen und so weitere Erfahrungen im Training mit Kindern zu sammeln. Dies gilt genauso für Vereinsmannschaften. Mit diesen Mädchen-Fußball-AGs wollen wir bei den Grundschülerinnen die Begeisterung für Fußball wecken. Im weiteren Verlauf ist für die fußballbegeisterten Mädchen wichtig, dass sie die Gelegenheit bekommen, bei Schulturnieren gegen andere Mannschaften zu spielen. Dadurch entsteht die Motivation, weiter zu trainieren und sich verbessern zu wollen. Durch die Beteiligung und Anbindung der örtlichen Fußballvereine besteht für interessierte Mädchen zudem die Möglichkeit, umfangreicher Fußball zu spielen."

In Bayreuth bestehen derzeit Mädchen-Fußball-AGs an den drei Mittelschulen. Der Soroptimist International Club Bayreuth finanziert diese Fußball-AGs, die von der Sportstudentin Silke Penkalla trainiert werden. Die Laureus-Stiftung stellt seit diesem Jahr die Grundförderung für das Bundesprojekt des An-Instituts "Integration durch Sport und Bildung" der Carl-von-Ossietzky Universität Oldenburg. Auch sie war vor Ort und will weitere Mädchen-Fußball-AGs an Grundschulen in Bayreuth fördern.

Grundschülerinnen, die an ihrer Schule die Möglichkeit bekommen Fußball zu spielen, ältere Schülerinnen, denen gezeigt wird, welche Freude es macht, Kinder zu trainieren und die dann als Co-Trainerinnen bei den AGs oder im Verein wertvolle Erfahrungen sammeln. Nach diesem Prinzip sollen immer mehr Mädchen ihre Begeisterung für das Fußballspielen ausleben dürfen.

(Quelle BFV)